Homepage von Olga Timochina
Bislang liegen wenige Arbeiten zu dem Themenkomplex Mediennutzung und Adressierung vor.
Die vorhandenen Studien entstammen überwiegend sprachwissenschaftlicher
Forschungslandschaft, und fokussieren adressatenspezifische Polyvalenz. Ausgehend davon,
dass eine und dieselbe Äußerung sich hinsichtlich ihres [...] semantischen Gehalts adressatenspezifisch unterschiedlich
interpretieren [läßt], wird die Mehrfachadressierung untersucht. Die Kategorie Adresse in der modernen Kommunikationsordnung bleibt in diesen
Studien unberücksichtigt. In jüngster Zeit fokussiert Peter Fuchs aus systemtheoretischer
Sicht die differenten Ausprägungen der Adresse in der funktional differenzierten Gesellschaft.
Aus medienwissenschaftlicher Perspektive beschäftigt sich der Band "Die Adresse des Mediums" mit der Kategorie Adresse. Der Band ist
in drei Sektionen unterteilt, in deren Zent rum jeweils die folgenden Themen stehen: die Adressenordnungen im Bereich moderner
Informationstechnologie, Adressierbarkeit der Medien durch Medien und die Interaktion
zwischen Medien und Wissensformationen.
Ziel dieser Arbeit ist zu prüfen, durch welche Adressierungsformen drei Fernsehnachrichtensendungen - Tagesschau (ARD), Newstime (ProSieben)
und RTL II News (RTL II) - bemüht sind, zum gleichen Ausstrahlungszeitpunkt ein disperses Publikum zu adressieren und somit zu erreichen.
Anders formuliert: Ausgehend von der Annahme, dass sich die Intention, jeden Einzelnen und alle zugleich zu adressieren,
als unauflösbare Paradoxie erweist, wird anhand einer Fallstudie betrachtet, mittels welcher pragmatischer Adressierungsmittel diese Aporie
unsichtbar gehalten wird.
Wie bereits der Titel der vorliegenden Arbeit Kommunikation, Adressierung und Re gierungstechniken. Eine Problemskizze und eine Fallstudie
impliziert, geht der Fallstudie eine Problemskizze voran, in der anhand von theoriegeleiteten Fragestellungen das
spezifische Verhältnis sowohl von Kommunikation und Adressierung als auch von Adressierung und Regierungstechniken akzentuiert wird.
Dabei wird keine Synthese zwischen den Bereichen erstrebt.
Der Terminus Adressierung suggeriert die seitens Verbreitungsmedien eingesetzten
Adressierungsformen. Vor dem Hintergrund der All-Inklusion verfolgt die Adressierung das
paradoxe Ziel, nämlich sowohl den individuellen Mediennutzer als auch gleichzeitig das gesamte Kollektiv erfolgreich anzusprechen und
somit zu erreichen. Die einzelnen Fernsehteilnehmer werden dabei als Adressen beziehungsweise als Orte der Sinnbildung betrachtet,
die für das Gelingen einer Kommunikation unabdingbar sind. Beim Adressanten, so Roland
Bernecker, liegt die intentionale Sinngebung, d.h. die Formierung »einer sinnadäquaten Adresse aus Symboleinheiten«
beim Adressaten die Sinnerfüllung [...].
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